2. Literarische Sommerakademie (LISA) in Schrobenhausen 2010

3.-8. August 2010

[19.05.2010] Im Sommer findet zum zweiten Mal von 3.-8. August die Literarische Sommerakademie in Schrobenhausen statt, die von der Stadt Schrobenhausen gemeinsam mit dem VS Bayern und der LMU München veranstaltet wird.

In fünf Klassen unterrichten bekannte Schriftsteller und Journalisten den literarischen Nachwuchs. Ursula Krechel, Henrike Leonhart, Edda Ziegler, Norbert Niemann und der Journalist Reinhart Knirsch betreuen die Teilnehmer in Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen. Ein biografisches Projekt beschäftigt sich mit Lenbach und seinen Frauen.

Im öffentlichen Abendprogramm der Akademie finden ab Montag jeden Abend Lesungen und Werkstattgespräche statt.

Sie lieben Literatur? Sie wollen literarische oder journalistische Texte schreiben und veröffentlichen? Sie wünschen sich interessante Begegnungen mit Schriftstellern und Journalisten, um sich über das Schreiben auszutauschen?

Die Literarische Sommerakademie Schrobenhausen LISA bietet ein Forum für alle, die schreiben möchten und Literatur lieben. Vertiefen Sie Ihre Kenntnisse in einem der vier Workshops, informieren Sie sich bei der Fachausstellung „Kreatives
Schreiben“
und diskutieren Sie gemeinsam in lockerer Atmosphäre.

LISA ist eine gemeinsame Veranstaltung der Stadt Schrobenhausen und des Verbands deutscher Schriftsteller in Bayern in Kooperation mit der LMU München.

Leiter der Akademie ist Arwed Vogel, seit 20 Jahren freier Schriftsteller und Dozent für Kreatives Schreiben und Poetik in der Erwachsenenbildung und an der LMU München. Seine Erzählungen, Kurzgeschichten und Gedichte wurden in mehrere
Sprachen übersetzt. Der erste Roman „Die Haut der Steine“ erschien 2003. Er ist Vorsitzender der Region München und Oberbayern des Verbandes deutscher Schriftsteller in ver.di, Medienrat der Schriftstellerorganisationen.


Einführung in die Erzählkunst

Wer ohne Bildungszwang mit Genuss liest, möchte selbst vielleicht auch literarische Texte schreiben, die gut und interessant zu lesen sind. Aber wie fang ich´s an? Wie fange ich an? Und was fange ich an, wenn mir kein Anfang einfällt? Wie baue und möbliere ich aus Wörtern und Sätzen ein Haus? Wie vermittle ich Bilder von Raum und Zeit? Wie wird aus einem Stoff eine Geschichte? Welches Leben gebe ich meinen Figuren? Agieren sie nach meinem Willen? Tanzen sie mir auf der Nase herum? Wie halte ich die Fäden in der Hand? Brauche ich einen roten Faden (Plot)?
In (möglichst wenig) Theorie und (viel) Praxis geht es in diesem Workshop um die fundamentalen Elemente des literarischen Erzählens, um die Gestaltung verschiedener Textsorten.
Für Anfänger und etwas Fortgeschrittene. Wenn Sie Lust haben, bringen Sie einen kurzen eigenen Text mit: 100-150 Wörter, Thema „Bahnhof“. Vielleicht bringen Sie auch etwas von ihrer Anreise mit – ein Wort, einen Satz, ein Erlebnis.

Henrike Leonhardt lebt als freie Autorin in München. Sie veröffentlichte Kinderbücher, Fabeln, Gedichte und dokumentarische Romane, u.a. „Fressen Alpendosenvollmilchschokoladenkühe Gras?“ und „Der Taktmesser – Johann Nepomuk Mälzel. Ein lückenhafter Lebenslauf“. Sie war Stipendiatin des „Münchner Literaturjahrs“ und erhielt den Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen. Sie produziert Radio-Features für den BR mit biographischen oder historischen Themen und unterrichtete in der Volkshochschule und im Goethe-Institut.


Literarische Erzählkunst für Fortgeschrittene
Am Anfang der abendländischen Literatur steht eine großangelegte Beschreibung: die des Schildes in Homers „Ilias“, von ihr stammen die Erzähler ab. Wenn ein Erzählen langweilig oder klischeehaft erscheint, liegt es häufig daran, dass sein Autor, seine Autorin zu wenig daran gearbeitet hat, einen Gegenstand oder einen Vorgang genau und sinnlich zu erfassen, auch das Unerwartete in ihm zu sehen. Die Kunst der Beschreibung ist heute an bestimmte Berufsgruppen delegiert worden: Antiquare beschreiben den Zustand eines Schutzumschlages, Pathologen den Auffindungszustand einer Leiche, sie tun es in einer vorgeprägten Sprache. Dieser Kurs möchte dazu beitragen, die Grundlagen des Erzählens für die Teilnehmer zu verbessern.
Das Beschreiben, das in Bewegung oder gar in volle Fahrt kommt, grundiert einen Erzähltext auf ganz eigene Art. Für diesen Kurs verpflichtend eine zweiseitige Textprobe und fünf Zeilen biographische Angaben mit der Anmeldung nach Schrobenhausen (Stichwort: Erzählkunst) schicken. Die ausgewählten Teilnehmer werden drei Wochen vor Beginn benachrichtigt.

Ursula Krechel lehrte an der Universität der Künste Berlin, am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und leitete die Werkstatt Prosa am Literarischen Colloquium Berlin. Sie veröffentlichte: „In Zukunft schreiben. Ein Handbuch für alle, die schreiben wollen“, „Stimmen aus dem harten Kern“ und „Mittelwärts“. 2008 erschien der Roman „Shanghai fern von wo“, für den sie mit dem Joseph-Breitbach-Preis, dem Rheingau-Preis und dem Deutschen Kritikerpreis 2009 ausgezeichnet wurde. Im Frühjahr 2010 erschien ihr Gedichtband „Jäh erhellte Dunkelheit.“


Theorie und Praxis des Romans
Die Kunst des Romanschreibens steht im Mittelpunkt dieses Kurses. Der Dozent, Schriftsteller Norbert Niemann, erläutert die Entwicklung des Epischen in der Weltliteratur, setzt sich mit verschiedenen Stilen und Genres auseinander und erklärt die Wirkung unterschiedlicher Erzählperspektiven. Der mehrfach ausgezeichnete Autor gibt praktische Tipps zu Recherche, Planskizzen und der Erarbeitung von Charakteren. In der Gruppe werden Möglichkeiten des Romanaufbaus erarbeitet und die Texte der Teilnehmer sprachlich und poetologisch beleuchtet.

Norbert Niemann studierte Germanistik, Musikwissenschaften und Geschichte und arbeitet als freier Schriftsteller in Chieming. Er veröffentlichte unter anderem die Romane „Wie man´s nimmt“, „Schule der Gewalt“ und „Willkommen neue Träume“. 1997 wurde er mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet, 1999 erhielt er den Clemens-Brentano-Preis. Im Frühjahr erschien „Kleine Transporter“ mit Zeichnungen des Künstlers Martin Schmidt, das während des gemeinsamen Stipendiums 2009/2010 in der Villa Concordia Bamberg entstand.


Biografisches Schreiben: Das Lenbach-Projekt
Der Maler Franz von Lenbach (1836-1904), einer der berühmtesten seiner Zeit, kommt aus Schrobenhausen. Seine Biografie ist vor Ort sicht- und spürbar lebendig: die Kindheit als Maurersohn im Geburtshaus am Stadtwall, das Künstlerleben zwischen München, Wien, Rom, Paris, Berlin, der Aufstieg zum international renommierten Gesellschaftsporträtisten und Malerfürsten, die schwierigen Liebes- und Familienverhältnisse. All das bietet reichlich Stoff für Geschichten, Porträts, Dialoge, historische Miniaturen und topografische Skizzen. An ihnen lassen sich die Möglichkeiten und Bedingungen biografischen und autobiografischen Schreibens, wie auch Techniken des historischen Romans beispielhaft ausprobieren.
Lektüreempfehlung: Sonja von Baranow: Franz von Lenbach. Leben und Werk, 1986

Edda Ziegler, Dr. phil., ist Autorin, Publizistin und Dozentin für Neuere Deutsche Literatur und Buchwissenschaft an der Universität München und an der Münchner Volkshochschule. 2000 bis 2007 leitete sie das LMU-Projekt „Manuskriptum.
Münchener Kurse für Kreatives Schreiben“; derzeit ist sie Studienleiterin im Seniorenstudium der LMU. Bekannt wurde Edda Ziegler durch ihre Biografien über Heine und Fontane. Neueste Buchveröffentlichung: „Verboten – verfemt – vertrieben. Schriftstellerinnen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“.


Journalistisches Schreiben
Welche journalistischen Formen und Grundregeln gibt es? Wie schreibt man anschaulich, treffend und spannend? Im Fokus des Kurses stehen Kulturberichterstattung, Reportage, Portrait und Nachricht, Überarbeiten von Texten, kreatives Schreiben, Pressemitteilung sowie Schreiben für das gesprochene Wort mit Sprechwerkstatt. Neben Übungstexten entstehen auch Reportagen, Portraits und Berichte. Der Workshop richtet sich an alle, die privat oder beruflich non-fiktionale Texte verfassen oder für Medien schreiben.

Reinhart Knirsch arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Psychologie und Kommunikationswissenschaft als freier Journalist (Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur), dann als Redaktionsleiter der Literaturzeitschrift föhnix. Heute ist er geschäftsführender Redaktionsleiter bei Radio Regenbogen. Er erhielt mehrere Preise, darunter den internationalen Unda-Hörfunkpreis, und ist Gründungsvorsitzender des Medienvereins Südostoberbayern. Knirsch unterrichtete unter anderem an
der Fachhochschule Rosenheim


Programm:
Montag, 2. August 2010, 19 Uhr: Empfang für Teilnehmer und Dozenten
Dienstag, 3. August bis Freitag, 6. August
10 – 17 Uhr: Arbeit in den Workshops
20 Uhr: täglich Lesungen und Diskussionen (das Programm entnehmen Sie der Tagespresse oder der Terminankündigung auf dieser Seite unter vs-aktuell)
Samstag, 7. August:
16 Uhr: Lesungen der Teilnehmer
18 Uhr: Literarisches Sommerfest für Teilnehmer, Dozenten und alle Interessierten im Museumsviertel
20 Uhr: Lesungen der Teilnehmer
Sonntag, 8. August, 10 Uhr: gemeinsames Frühstück, Abreise


Anmeldung:
bei der Stadt Schrobenhausen
Lenbachplatz 18
86529 Schrobenhausen
Tel. 0 82 52 /90 2 13 / 90 2 14
per Mail: Email an Information
Weitere Informationen unter www.schrobenhausen.de




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