Carl-Amery-Literaturpreis 2009 - Laudatio von Gesine Schwan
zur Preisverleihung im Literaturhaus am 21.04.2009
[28.04.2009] Laudatio auf Juli Zeh
Keine einfache Aufgabe für eine Frau, die keine Künstlerin ist, eine Künstlerin zu loben. Aber als ich die ehrenvolle Einladung dazu erhielt, wollte ich sie gern annehmen, weil mir Juli Zeh, die ich persönlich erst seit kurzem kenne und deren literarisches Werk mir - schrecklich, aber wahr, dies einzugestehen - nicht vertraut war, seit unserer ersten Begegnung »reizend« erschien. Nicht reizend im Sinne von kuschelig bequem, nicht anmutig wie im Klischee einer höheren Tochter, eher zumutend und dadurch anreizend. Es reizte mich auf Anhieb, zu erfahren, was hinter der äußeren Reserve steckt, die sie zunächst ausstrahlt. Man möchte herausbekommen, was sie gerade denkt, wenn sie, ohne die Miene zu verziehen, zuhört, denn hinter ihrer Stirn scheint sich einiges abzuspielen, was nicht alltäglich ist. Man möchte sich anstrengen, um sich nicht vor ihrem scharfen Verstand zu blamieren. Den erkennt man schon in ihren ersten Worten. Dass sie zugleich denkt und träumt, dass ihre Fiktionen angefüllt sind von scharfsinnig beobachteter Realität, dass sie in eins hoch abstrakt und fast wollüstig körperlich schreibt - das alles finde ich aus meiner Amateurssicht überaus reizvoll, je länger ich mich damit beschäftige.
Denn da ich die ehrenvolle Einladung angenommen habe, durfte, ja musste ich nun, was ich mir schon lange nicht mehr hatte gönnen können, Romane lesen, fand mich plötzlich - Laudatio sei Dank! - im Garten in der österlichen Sonne und folgte mit Spannung einem komplizierten Krimi um eine tote Kindfrau, einen versifften zurück gebliebenen Freund, viele Banknoten unter den Dielen, auffällig vielen heißen Sommertagen und Nächten mit der Folge klebriger Hosen und Hemden und natürlich Jacques Chirac. Man hatte mich gewarnt: Juli Zehs erster Roman, der sofort soviel Lob geerntet hatte, sei ziemlich schräg, vielleicht sollte ich nicht gerade mit dem anfangen. Angesichts meines Alters habe ich die Warnung als liebevollen Wunsch, mich vor Verwirrung zu bewahren, gerne gehört, aber nicht befolgt. War aber gar nicht schlimm, im Gegenteil.
Denn »Adler und Engel« wirft den Leser zwar zunächst einfach in eine Geschichte, die er oder sie gar nicht begreifen kann, weil soviel vorausgesetzt wird, was man auf der ersten Seite überhaupt nicht zu wissen vermag. Ein ordentlicher Deutsch-Aufsatz darf so nicht anfangen. Ein wissenschaftlicher Artikel auch nicht. Sind ja beide auch nicht Literatur, Obwohl: vielleicht bekäme es beiden gut, mehr Literatur zu sein. Juli Zehs Anfangs-Verwirrungstrick macht die Sache nämlich gleich von Beginn an spannend, man möchte es genauer verstehen, verfolgt höchst aufmerksam den Fortgang der story. Bis plötzlich alles schon vorbei ist. Und man neu nachdenken kann. Spannend zu sein, halte ich übrigens in allen Branchen geistiger Tätigkeit für ein entscheidendes Quältätskriterium, weil dahinter eine existenziell gewollte, manchmal auch schlüssige Zusammensicht steht, die die Spannung hält und die auch der Wissenschaft nicht schlecht bekäme. Außerdem langweile ich mich nicht gerne.
Juli Zeh liest man mit Spannung, denn es gibt trotz der Vielfalt der literarischen Gattungen, in der sie schreibt, und der komplizierten Kompositions-, zuweilen möchte ich sagen Verschachtelungs-Technik ihrer Kreationen einen Zusammenhang in ihrem Werk - bei der bereits stattlichen Zahl ihrer Veröffentlichungen in so wenigen jungen Jahren möchte ich dieses Wort, das eher Alterswürde suggeriert, durchaus verwenden. Kohärenz stiften grundlegende Fragen, die sie vorantreiben und die sie vorantreibt, die auch ihre Leser, jedenfalls mich nach der Lektüre weiter antreiben. Wie kann man zusammenleben, wenn man dauernd aneinander vorbeiredet, unvermittelt demütigt oder zurücksetzt, dann aber auch wieder nicht voneinander loskommt? Was hält der Erosion der Gleichgültigkeit, der Hoffnungslosigkeit stand? Was bietet in einer bodenlosen Kultur einen haltbaren Grund? Was bewahrt uns vor einer tödlichen Verzweiflung, die droht, uns dahin siechen zu lassen?
Eine Antwort findet man z. B. bei Jacques Chirac. Es handelt sich nicht um den ehemaligen französischen Präsidenten, der als deus ex machina vom Himmel stiege, sondern um die treue unverstellte Kreatur. Der in seiner Anhänglichkeit unbeirrbare Hund der toten Geliebten heißt Jacques Chirac und zwingt den unfreiwilligen Helden aus »Adler und Engel« ins Leben zurück. Nicht aufdringlich, nicht auf der Vorderbühne, immer ganz unauffällig nebenbei, aber wirksam. In den Worten Juli Zehs: »Man kann seelische Zustände verdrängen, aber nicht Jacques Chirac.« (Adler und Engel, S.37) Man kann einfach nicht verkatert im Bett liegen bleiben und im Laken weiter brennende Zigaretten ausdrücken, wenn die zweitrangige verlassene Bett-Freundin den Hund wieder loswerden will, den man vorübergehend bei ihr deponiert hatte. »Ich schlüpfe in die Anzughose, die mir an den schwitzenden Schenkeln kleben bleibt, setze eine Sonnenbrille auf und verlasse das Haus. Es ist eine Odyssee. Trotz allem kann ich nicht anders als mich auf Jacques Chirac zu freuen.« (38)
Hunde führen nicht nur ins Leben zurück, sie stiften ihrerseits in Juli Zehs Schaffen Zusammenhang, in den Geschichten und zwischen den Geschichten. Auf ihrer Reise durch Bosnien begleitet sie ihr Hund und führt sie mitten in ihren subtilen Beobachtungen, erschreckenden Erfahrungen, verworrenen Tagträumen trotz allen hündischen Einfühlungsvermögens immer wieder unvermittelt auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie hat ihren Hund während ihrer Reise durch Bosnien mit Hilfe einer lebensfrohen fälligen Frau trotz Hundeverbots in einen Überlandbus geschmuggelt, mit dem sie nach Sarajewo möchte. Ein anderes Verkehrsmittel gab es an diesem Ort nicht. Der Hund liegt still und unbemerkt unter ihrem Sitz. Aber irgendwann muss er pinkeln. (Ich erlaube mir ein solches unerzogenes Wort in dieser Laudatio nur, weil Juli Zeh sich auch unerzogene Worte und Beobachtungen erlaubt. Sie ist eben eine vitale Schriftstellerin, der nichts Lebendiges fremd, sondern alles sehr vertraut ist, auch der ausgiebige Popel, den ihr Held genüsslich und weitführend aus seiner Nase zieht!) Aber unsere Künstlerin bewältigt auch die kreartürliche Herausforderung ihres Hundes und landet irgendwann, allerdings mit dem Zug, in Sarajewo.
»Die Stille ist ein Geräusch. Eine Fahrt durch Bosnien«. Juli Zeh kennt sich in Sachen Bosnien politisch und juristisch vorzüglich aus. Im Hauptberuf ist sie zwar Schriftstellerin, aber hinter sich hat sie ein juristisches Studium in Passau, New York und Krakau mit beiden Staatsexamina und einem L.L.M. abgeschlossen und sich auf internationales Recht und Völkerrecht, gerade auch in Südosteuropa spezialisiert. Scharfsinnig war sie vermutlich immer, das Jura-Studium hat dies möglicherweise weiter trainiert. Dass sie in Krakau studiert hat und polnisch spricht, wahrlich in Deutschland keine Alltäglichkeit, zeugt von erheblicher Ausdauer beim Spracherwerb und von Eigenwilligkeit. Beeindruckt hat mich aber, wie diese trainierte Juristin sich ohne jede Vorwegkategorisierung auf die unterschiedlichsten Erlebnisse einlässt, die Widersprüchlichkeit und Bruchstückhaftigkeit aufspürt, mit der die Menschen in Bosnien den schrecklichen Krieg wahrgenommen und hinter sich gelassen, nicht wirklich verarbeitet haben.
Alles registriert sie aufmerksam und bis ins Detail. Was Recht und Politik, durchaus um ehrenwerter, ja überlebensnotwendiger Ziele willen sorgfältig klären und sortieren wollen, geht in der Wirklichkeit, die sie beobachtet und in ihrem Reisetagebuch-Essay notiert, ganz durcheinander. Gerade für jemanden, der eher aus der Wissenschaft kommt, zeigt sich hier die unersetzliche Erkenntnis und Wahrheit von Literatur: Die Wirklichkeit ist immer viel bunter und überraschender, Menschen leben viel widersprüchlicher, als das dem ordnenden Verstand gefallen kann, der Klarheit will. Wenn er sich der Unerreichbarkeit der Wirklichkeit versieht, gehen alle Ordnungsentwürfe für sie ins Leere oder richten, mit unerbittlicher Konsequenz dennoch durchgesetzt, Unheil an.
»Aus Versehen könnte ich Mitglied werden bei jenem kleinen Verein von Menschen, die sich unablässig die Welt anschauen, zusehen, wie alles grundlos zwischen gut und böse pendelt.« (Bosnien, S.94 ) So kommentiert Juli Zeh ihre Bosnien-Erfahrungen. Die Menschen in Bosnien haben, sagt sie, »im Kleinen vorgeführt, was auch woanders und im Großen jederzeit möglich ist. Das will niemand wissen, und auch ich darf es nicht wissen wollen. Wie sollte ich mich sonst zwischen Menschen bewegen, die hier wie überall ihre Grausamkeit nicht ahnen lassen, so dass ein Ausbruch von Gewalt nicht nur bis zur Sekunde, in der er geschieht, sondern auch eine Sekunde nach seinem Ende wieder völlig ausgeschlossen erscheint? Der Hund macht es vor.« So immer noch Juli Zeh. »Jede seiner Bewegungen ist ein Appell: Lebe. Der Hund denkt weniger Über den Krieg nach als ich, aber das nimmt seiner Aussage nichts von ihrer Wahrheit.« (S.95)
Nach den ersten Sarajevo Tagen findet sie, so geht es nicht weiter, und will System in ihre widersprüchlichen Wahrnehmungen bringen. Mit folgenden systematisch auf Anhieb und ganz und gar einleuchtenden Fragen: »Wo wachsen die Melonen. Wie grün ist der Neretva-Fluss. Warum war hier Krieg. Wer hasst wen und wie sehr.« Alle Fragen stellt sie ohne Fragezeichen, öffnet gleichsam Schubladen, in die man Dinge, die man nicht einordnen kann, wenigstens unterbringen will, Nach mehreren Tagen Sarajevo fügt Juli Zeh eine fünfte Frage hinzu: »Warum gibt es keinen McDonalds's.« (70) Vielleicht macht nur das Absurde das Absurde begreiflich.
Und in der Tat: Prätentiös ist und schreibt Juli Zeh gar nicht. Ihr ist der öffentliche Durchbruch mit einem Roman gelungen, das Problem, die Essay-Form gegen den Roman auszuspielen, hat sie also nicht. Der Ernst ihres Schreibens erscheint nicht im Pathos, sondern in einer Nüchternheit, einer Ironie, ja häufig auch einem pointierten Witz, der spezifische Merkmale des Essays ausmacht und eben dem Ernst nicht entgegensteht. Im Gegenteil; Sie verbietet sich und den Lesern damit jede Gefühligkeit, die zum Selbstgenuss werden könnte und das Unglück, die Trauer, die Verzweiflung übertünchen würde. Wir brauchen Nüchternheit, brauchen einen gemeinsamen Boden gerade auch der Tatsachen, wenn wir einander nicht immer wieder Leid antun, sondern uns für eine Welt mit weniger Hass verständigen wollen. Hannah Arendt, hat in ihren Essays über Wahrheit und Lüge in der Politik eindringlich darauf hingewiesen, Juli Zeh fragt: »Wer hasst wen und wie sehr«. Und ihr Hund konfrontiert sie mit der Not und der Chance des Realiätssinns.
Was in ihrer Kunst abgehandelt wird, ist radikal subjektiv, gibt ihre eigenen Erlebnisse und Vorstellungen wie die ihrer Protagonisten ungeschminkt und zugleich ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit wieder. Aber das Politische als das Allgemeine, nicht als das Objektive, die Frage nach dem Zusammenleben, ist allgegenwärtig. Gesetze, überhaupt Regeln, die von allen Subjekten Gehorsam verlangen, die also übersubjektiv sind und die sie ausgiebig studiert hat, sind erforderlich, aber sie können das Leben bis zur Sinnlosigkeit pervertieren, wenn sie der Subjektivität der Individuen, ihrer Freiheit zum Persönlichen und Privaten nicht genügend Raum lassen.
Zum Beispiel wenn sie im Dienst einer Utopie stehen, die den Menschen kein Recht mehr auf ihr eigenes Unglück, auf ihre eigene Krankheit, auf ihre eigene Trauer lässt, weil sie sie in ein ganz und gar gesundes, sprich: leidloses Dasein zwingen will. In ihrem gerade erschienen Science-Fiction Roman »Corpus Delicti«, Untertitel »Ein Prozess«, testet Juli Zeh die klassische Frage nach der individuellen Freiheit an den Ansprüchen eines wohlwollenden, liberalen Gesundheitsstaates, der sein totalitäres Gesicht zeigt, sobald Menschen aus dem Gehäuse einer allumfassend verpflichtenden Krankheitsprävention ausbrechen wollen. Alles individuell Abweichende wird in diesem Staat, der den Namen »Methode« trägt, unter Verdacht gestellt. Bei Anzeichen von Depression greift die obligatorische Psychotherapie. Die zwingende Norm erlaubt keine Abweichung. »Außerhalb der Normalität herrscht Einsamkeit« (S. 87), so fasst die Autorin das zusammen.
Der von der »Methode« vorgegebene Gruß, mit dem sich die Bürger begrüßen und ihre Methodentreue dokumentieren sollen, heißt »Sante«, und ein für das durchrationalisierte Zusammenleben gesunder normaler Körper so gefährliches, weil unberechenbares Geschehen wie die Liebe findet bei Vertretern der »Methode« die schöne Definition: »Jeder weiß, dass „Liebe” nur Synonym für die Verträglichkeit bestimmter Immunsysteme darstellt.« (S. 117) Das scheinbar nachsichtig betreuende Gefängnis dieses Gesundheitsstaates würde beim Leser schnell eine klaustrophobische Abwehr auslösen, wenn Juli Zeh diese Negativ-Utopie nicht wieder in das Gewand eines spannenden Kriminalromans kleiden und vor allem mit so vielen ebenso fantasievollen wie witzigen Handlungen und Personen ausstatten würde, dass ich jedenfalls beim Lesen immer wieder laut lachen musste.
Wenn die Hauptperson dank ihrer schwesterlichen Liebe und gegen alle Indizienbeweise an die Unschuld ihres verurteilten Bruders glaubt, der sich im Gefängnis das Leben genommen hat, und wenn sie in der Folge selbst zur Angeklagten wird, ist das ein beklemmender Vorgang. Dem kann man sich aber nicht einfach emotional ergeben, man behält seinen wachen Verstand für diesen sehr philosophischen Roman, weil Ironie und Witz dem Denken keine Ruhe lassen. Der geliebte Bruder hatte sich im Gefängnis eine »ideale Geliebte« erdacht und zugesellt. Im Vorimaginieren seines Selbstmords hat er sie, dieses ebenfalls imaginierte körperlose Wesen, bei einem Gefängnisbesuch seiner Schwester anvertraut. Die hat sie nun als ständigen Gast auf ihrer Couch und ist ihren witzigen, bissigen Kommentaren immer dann ausgesetzt, wenn die »ideale Geliebte« den Eindruck gewinnt, dass die Schwester die beharrlich freiheitliche Absicht ihres Bruders zu verraten droht. Die auch in der Fiktion nur erdachte, also eigentlich nicht vorhandene »ideale Geliebte« gewinnt so erhebliches nicht körperliches Gewicht, und das Changieren zwischen offenkundiger Imagination und gedanklichem Schwergewicht gebiert immer wieder witzige Situationen. Etwa wenn die »ideale Geliebte« sich schnell einen Schluck Champagner angelt, der wider alle Gebote der »Methode« von der Schwester und ihrem Verteidiger geöffnet worden ist, um auf die Unterminierung des Indizienbeweises gegen den Bruder zu trinken, die dem eigentlich mittelmäßigen Verteidiger gerade gelungen ist. Damit hat er die reklamierte Unfehlbarkeit der »Methode« entlarvt und der Freiheit eine Tür geöffnet. »Santé sagt die ideale Geliebte, die immer, wenn der Anwalt nicht hinguckt, aus der Flasche trinkt.« (S. 172) Und Mia, der Schwester des Verurteilten, rät sie: »Du solltest ein bisschen feiern. Dein Anwalt redet viel, aber nicht ohne Vernunft.« (S. 173)
Aber die »Methode« ist nicht wirklich geschlagen. Sie erlaubt weder die Freiheit zur Krankheit noch zur Schuld. Mia versucht mit allen Mitteln, sich durch Verstoß gegen die Gesetze strafbar zu machen und verurteilt zu werden. Es gelingt ihr nicht. Sie wird begnadigt. Erst »jetzt ist sie - erst jetzt ist das Spiel - erst jetzt ist wirklich alles zu Ende.« (S. 264) Ihr wird eine Therapie verordnet. Hier wird die Freiheit nicht mehr auf herkömmliche Weise durch eine grausame Diktatur bedroht, sondern durch eine Kombination von Eugenik und Betreuungsstaat, der die Menschen in Watte packt und darin erstickt. Strafe als Folge persönlicher Schuld weicht therapeutischer Resozialisierung. Das ist der aktuelle Diskurs über Schuld und Freiheit in der Rechtswissenschaft. Zwang zur vorbeugenden Sicherheit überall - das nimmt den Menschen mit der Freiheit das Leben. Juli Zeh denkt die liberale Tradition eines Alexis de Tocqueville in der Gegenwart weiter.
Meine Aufgabe war es, Juli Zeh zu loben. Das stand mir eigentlich gar nicht zu. Ohne einschlägige Fachkompetenz wage ich - ganz subjektiv, und damit vielleicht auch im Sinne der Preisgekrönten - zu sagen: Juli Zeh ist in einer Welt, in der jeder der beste sein muss, um zu überleben, in der das Verlangen nach Anerkennung überall hervor lugt, eine Schriftstellerin, die von all diesen zeitgenössischen Zwängen unberührt mit traumwandlerischer Sicherheit Menschheitsthemen für die Gegenwart literarisch aufbereitet, deren Fantasie wundersame Kreaturen schafft, die eine fiktive Welt bevölkern und den Lesern mit ihrer Fantasie die bezaubernde, ganz unverzichtbare Chance bieten, in Alternativen zu denken, das Gegebene nicht als das einzige Wirklichkeit hinzunehmen. Sie eröffnet uns damit die Chance, wir selbst zu werden, ohne uns der Mühe zu entledigen, unseren Weg allein zu finden.
Juli Zeh, Du bist ein Geschenk für alle, die nicht einem vorgegebenen Trott erliegen wollen. Deine ganz außergewöhnliche Verbindung von Scharfsinn und Fantasie führt uns ins Weite, ins Reich der Freiheit, nimmt uns in der Freiheit gefangen und bringt uns zum Lachen. Was davon das Wichtigste ist, müssen wir glücklicherweise nicht entscheiden. Jedenfalls verdienst Du höchstes Lob und höchsten Dank! Quod erat demonstrandum.
Gesine Schwan
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Für Meinungsfreiheit – gegen Einschüchterung - 08.04.2008 Bayern liest Kroatisch
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Brückenschlag der Dichter zwischen heute und gestern - 19.02.2008 München liest - aus verbrannten Büchern
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- 28.05.2007 Nachruf: Wolfgang Bächler
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- 19.03.2007 fitzgerald kusz: zum welttag der poesie *)
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- 13.03.2007 »Literatur verbindet – Menschen und Regionen«
Bayerische Literaturtage wiederbelebt - 12.03.2007 Nürnberg: wieder Mittagslesungen
- 09.03.2007 Verleihung des Carl-Amery-Literaturpreises
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