Verleihung des Carl-Amery-Literaturpreises 2009

Preisverleihung an Juli Zeh am 21. April 2009 im Literaturhaus München

[16.01.2009] Der Carl-Amery-Literaturpreis wird ab 2007 alle zwei Jahre vom Verband deutscher Schriftsteller in Bayern vergeben, mit Unterstützung des Luchterhand Literaturverlages und von ver.di Bayern. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert.

Der Preis soll an den Münchner Schriftsteller Carl Amery (1922-2005) und sein Lebenswerk erinnern. Amerys kritische Auseinandersetzung mit restaurativen Tendenzen in Gesellschaft und Kirche und sein publizistischer
Einsatz für eine friedliche und ökologisch vernünftig gestaltete Welt haben Maßstäbe gesetzt. Seine Streitbarkeit und sein unbestechlicher Blick für gesellschaftliche Missstände verbanden sich in seinen Romanen, Hörspielen und
Essays mit einem ausgeprägten Bewußtsein für Formenvielfalt und ausgefeilte Rhetorik. Carl Amery war ein glänzender Stilist, der auch als Romancier gesellschaftliche Analysen in furiose literarische Tableaus verwandelte.

Eine unideologische Darstellung und Analyse gesellschaftlicher Wirklichkeit jenseits etablierter Erklärungsmuster und versprengter Erfahrungswelten verlangt - das hat Carl Amery eindrucksvoll unter Beweis gestellt - eine niemals sich zufrieden gebende sprachliche und formale Anstrengung, verlangt literarische Experimentierfreude und formale Intelligenz.

Mit dem Carl-Amery-Literaturpreis werden deutschsprachige Autorinnen und Autoren für ihr Werk ausgezeichnet, in dem eine zeitkritische Literatur neue ästhetische Wege zu gehen und damit das Spektrum literarischer Möglichkeiten zu erweitern sucht.

Der zweite Träger des Carl-Amery-Literaturpreises ist die Autorin Juli Zeh. Die Jury (Dr. Martin Hielscher, Dr. Thomas Kraft, Martin Mittelmaier und Feridun Zaimoglu) begründet ihre Wahl wie folgt:

„Juli Zeh zählt zu den aufregendsten Erzählerinnen deutscher Sprache. Ihre kühnen Geschichten und Psychogramme entstehen auch mit dem nüchternen Blick der Juristin (die sie auch ist), die sich der Fakten versichert und auf dieser Basis ihre kunstvollen Texte entwirft. Und doch ist sie keine Autorin des Wohllauts. Rücksichtslos gegen alle Gebote des ausgewogenen oder schönen Tons integriert sie aktuellste Gegenwart in ihre Romanwelten, sei es durch Exzesse des Metapherngebrauchs, durch die Schonungslosigkeit in der Darstellung psychischer Abgründe oder durch die Maßlosigkeit in der Inanspruchnahme der Wissensfelder, mit denen die moderne Welt Aufschluss über sich zu geben versucht. Nicht leicht, einen ähnlich hellhörigen, feinnervigen und Wissen aufsammelnden Autor zu finden, der sein Sensorium derart weit gespannten Dramaturgien, wie Zehs Romane sie ausbilden, zu überlassen versteht. Immer wieder meldet sie sich zu Wort, in den deutschen Feuilletons und bei öffentlichen Auftritten, und mischt sich, ganz im Sinne Carl Amerys, in politische und künstlerische Debatten ein, die sie wie kaum ein anderer Autor ihrer Generation zusammen zu denken vermag.“ 


Die Preisverleihung findet am 21. April 2009, 20 h, im Literaturhaus München statt. Die Laudatio hält Prof. Dr. Gesine Schwan.
Eine Veranstaltung von VS-Bayern, Luchterhand Literaturverlag und verdi Bayern. Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der LH München und des Literaturhauses München
Eintritt frei
V.i.S.d.P. Dr. Thomas Kraft, 1. Vorsitzender des VS Bayern, Panoramastr. 27a, 82211 Herrsching.



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