fitzgerald kusz: zum welttag der poesie *)


21. märz 2007

 

iich möchäd ämall ä gedichd schreim

des mä iberoll miidhiinehmä könnäd

su klaa daßs in jede husädaschn bassäd

ned viel gräißä wäiä daschndäiglä

obbä wemmäs rauszäichäd und vuälesäd

wirräd aff amm schlooch allers anders


iich möchäd ämall ä gedichd schreim

wemmä draffrumdrambläd

derfäds ned kabuddgäih

wemmäs oozindäd

derfäds ned brennä

wemmä midderm messä neischdechäd

derfäds ned bloudn


iich möchäd ämall ä gedichd schreim

des kannä meä aufhaldn könnäd

dessi ausbreidäd wäi ä krankheid

gechä däi ka kraud gwachsn is

bissi jedä mid iä ooschdeckäd


iich möchäd ämall ä gedichd schreim

des einfach oofangäd

und nie meä aufhöräd

und middndrin iich


(aus: muggn, gedichte, ars-vivendi-verlag,

erscheinungstermin: ostern 2007)

 


rohübersetzung

 

ich möchte einmal ein gedicht schreiben

das man überall mithinnehmen könnte

so klein daß es in jede hosentasche paßte

nicht viel größer als ein taschentuch

aber wenn man es rauszöge und vorläse

wäre auf einen schlag alles anders

 

ich möchte einmal ein gedicht schreiben

wenn man darauf herumtrampelte

dürfte es nicht kaputtgehen

wenn man es anzündete

dürfte es nicht brennen

wenn man mit dem messer hineinstäche

dürfte es nicht bluten

 

ich möchte einmal ein gedicht schreiben

das keiner mehr aufhalten könnte

das sich ausbreitete wie eine krankheit

gegen die kein kraut gewachsen wäre

bis sich jeder mit ihr ansteckte

 

ich möchte einmal ein gedicht schreiben

das einfach anfinge

und nie mehr aufhörte

und mittendrin ich

 

*) Zum Welttag der Poesie wurde der 21. März von der UNESCO ausgerufen.

Dieser Tag wird seit 2000 jedes Jahr gefeiert. Er soll in einem Zeitalter, in dem neue Informationstechnologien dominieren, an den „Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern“.






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